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Dissertationsprojekt: Bibeltexte in Leichter Sprache – Intentionen, Arbeitsweisen, Problemlagen

• Voraussichtliches Projektende: November 2022

• Verantwortlich: Britta Lauenstein

— Britta Lauenstein — Bibeltexte in Leichter Sprache sind sowohl bibelwissenschaftlich als auch religionspädagogisch weitgehend unerforscht.
Das Dissertationsprojekt ist ein Anfang, Bibeltexte in Leichter Sprache ausführlich wissenschaftlich zu erforschen und Theorie und Praxis zu verzahnen. Dazu werden Bibeltexte in Leichter Sprache zunächst aus zwei Perspektiven theoretisch verortet, zum einen aus der Perspektive der gesellschaftlichen Teilhabe durch (Leichte) Sprache, zum anderen aus der Perspektive des Christentums als Übersetzungsreligion. In Kombination ergibt sich hieraus der Begriff der „Teilhabe am Evangelium“, der in 5 Dimensionen entfaltet wird.
Im zweiten Teil werden die Bibeltexte in Leichter Sprache bis 2019 von sieben Übersetzendengruppen untersucht. Dazu werden die Zusammensetzung der Übersetzendengruppen, ihre Auftraggeber*innen, ihre Intention, ihre Zielgruppen, ihre Vorgehensweisen sowie die Art und Weise der Veröffentlichung beschrieben und hinsichtlich der Relevanz für die Erforschung von Intentionen, Arbeitsweisen und sich daraus ergebende Problemlagen ausgewertet. Die Problemlagen fokussieren sich auf die drei Themen Negation, bildhafte Sprache und Deutungsmacht.
Es werden zwei Zugänge gewählt, um sich diesen Aspekten zu nähern: Qualitative Expert*innen-Interviews geben einen Einblick in die Innensichten der Übersetzenden hinsichtlich der genannten drei Herausforderungen. Mit Hilfe eines Perikopenvergleichs werden anhand von zwei Bibelstellen (Psalm 23 und Lk 2, 1-20) verschiedene Übersetzungen in Leichter Sprache verglichen. Dabei geht es um die Übereinstimmung der Übersetzungsentscheidungen mit den Regeln für Leichte Sprache einerseits und mit aktuellen exegetischen Erkenntnissen andererseits.
Im Schlussfazit werden Spannungsfelder und Dilemmata, in denen sich Bibeltexte in Leichter Sprache immer wieder neu verorten müssen, dargestellt.
Dabei geht es um eine Positionierung zwischen Paternalismus und Partizipation, zwischen Loyalität und Freiheit, zwischen Vereinfachung und Zumutung sowie zwischen Stereotypisierung und Inklusion.
Bibeltexte in Leichter Sprache bewegen sich zudem im Spannungsfeld von Voraussetzungslosigkeit und wachsendem religiösen Wissen, im Spannungsfeld von theologischem Anspruch und dem Anspruch, verstanden zu werden, im Spannungsfeld der unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen, im Spannungsfeld der unterschiedlichen Anforderungen der Verwendungszusammenhänge und im Spannungsfeld der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Zukünftige Übersetzungen werden sich auch im Feld der Angemessenheit und den daraus resultierenden Verpflichtungen gegenüber Zielgruppe, Textinhalt und -funktion, Verwendungszusammenhang und Autor*in/Auftraggeber*in orientieren und verorten und schließlich messen lassen müssen.

Die Dissertation wird von Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke und Prof. Dr. Martin Leutzsch an der Universität Paderborn betreut. Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss.